Gutachten für Windräder in Osann-Monzel liegen vor


28. Oktober 2011
TV-Bericht von Christina Bents

Windkraft ja, Erdwärme nein: Das ist das Ergebnis einer Bürgerversammlung in Osann-Monzel. Gesprächsstoff bot vor allem das Windenergieprojekt der Gemeinde, das der Realisierung bereits einen Schritt nähergekommen ist. Verwirklicht werden kann es aber erst, wenn der Verbandsgemeinderat den Flächennutzungsplan entsprechend ändert.
Osann-Monzel. Eine Gemeinde mit Weitblick: Mit diesem Slogan wirbt die Ortsgemeinde Osann-Monzel am Ortseingang für ihr Dorf. Nicht nur landschaftlich hat Osann-Monzel einen weiten Blick, nämlich ins Moseltal, sondern auch bei der Energiepolitik will die Gemeinde mit Weitblick agieren. Und sie hat sich hohe Ziele gesetzt: Bis 2016 sollen neun Prozent der Energie im Vergleich zum Verbrauch von 2001 bis 2005 eingespart werden.
Um das zu realisieren, hat sich im Ort die Arbeitsgruppe Kommunale Energie gegründet. Die Mitglieder informieren sich über verschieden alternative Energien, laden Referenten ein, die bei Bürgerversammlungen und im Gemeinderat ihre Themen und die Umsetzbarkeit für Osann-Monzel vortragen. Bei der aktuellen Bürgerversammlung standen die Themen Energieverbrauch in der Region Trier, Windenergie und Beteiligungsmöglichkeiten seitens der Bürger und der Gemeinde sowie die Geothermie (Erdwärme) zur Diskussion.

Energie vor Ort:
Die Energieagentur Region Trier zeigte anhand von Zahlen für den ehemaligen Regierungsbezirk Trier, dass momentan 51 Prozent des Stroms bereits aus erneuerbaren Energien gewonnen werden und rund eine Million Euro insgesamt für Energie in der Region für Strom, Wärme und Treibstoff ausgegeben werden. Fazit des Vortrags: Es sei sinnvoll, die Energie in der Region zu produzieren und dort auch zu verbrauchen.

Windenergie:
Die Firma Abo-Wind referierte zum Windenergieprojekt der Gemeinde. Das Unternehmen plant sieben Windräder auf Osann-Monzeler Gemarkung: auf dem bewaldeten Höhenzug zwischen der Weinbaugemeinde und Altrich. Sie sollen eine Leistung von je 2,4 Megawatt bringen, was für 15 000 Drei-Personen-Haushalte reichen würde (der TV berichtete). Für jedes Windrad müssten zwischen 3500 und 4500 Quadratmeter Wald gerodet werden. Experte Thomas Treilling erklärte den 40 anwesenden Bürgern, dass bereits interne Gutachten zum Schall und Schattenwurf vorliegen und alle gesetzlichen Richtwerte unterschritten würden. Auch über die direkte finanzielle Beteiligung in Form eines Bürgerwindrads - also wenn die Kommune das Windrad betreibt - oder eines Mietkaufmodells sowie allgemeine finanzielle Beteiligungen über die Abo-Windaktie oder Wind-Genussrechte (Geldanlage zu festen Zinsen) wurde gesprochen. Die Bürger zeigten sich dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen.

Geothermie:
In Osann-Monzel ist es nicht möglich, Erdwärme aus einer wasserführenden Erdschicht zu nutzen. Das Landesamt für Geologie und Bergbau hat auf eine Anfrage der Gemeinde erklärt, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Thermalwasserschichten im Erdreich gibt und durch die Gesteinsschichten keine hohen Temperaturen in geringer Tiefe zu erwarten sind.

Extra
Der aktuelle Flächennutzungsplan für Wittlich-Land erlaubt nur in Niersbach und Hupperath den Bau von Windrädern. Der neue regionale Raumordnungsplan aber, der derzeit ausgearbeitet wird, lässt den Kommunen mehr Raum und nennt nur Ausschlusskriterien für Windkraft. Er hat zum Ziel, dass in der Stadt Trier und in den Kreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Vulkaneifel und Trier-Saarburg Wohnen, Arbeiten, Verkehr, Freizeitnutzung und Ökologie in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Der Flächennutzungsplan ist seine konkrete Ausgestaltung vor Ort. Über dessen Fortschreibung wird der VG-Rat Wittlich-Land nach Auskunft von Bürgermeister Christoph Holkenbrink in seiner nächsten Sitzung im November beraten. Da der Landschaftsplan, der aufzeigt, welche Gebiete für Tiere und Pflanzen besonders schützenswert sind, erst wenige Jahre alt ist, muss er anders als in Manderscheid nicht zuvor überarbeitet werden. uq

Extra
Neben den 40 Osann-Monzeler Bürgern besuchten Vertreter der Ortsgemeinden Altrich, Klausen und Platten die Versammlung. Sie interessierten sich für die Aussagen über die Standorte der Windräder, da sie von ihren Orten aus zu sehen sein könnten. Die Firma Abo-Wind hat ausschließlich auf Osann-Monzeler Gemarkung geplant, da dies für sie die gewinnbringendsten Standorte seien. "Von einem Geschiebe der Windräder, damit alle etwas davon haben, halten wir nicht viel", erklärte Thomas Treilling von Abo-Wind. Osann-Monzel soll jährlich 240 000 Euro Pacht erhalten. Ein Gespräch zwischen den Ortsbürgermeistern von Altrich, Osann-Monzel, Platten und Klausen im November soll klären, ob und wie man sich an der Windenergie beteiligen kann. Auch die Gemeinde Minheim hat Interesse an Windenergie gezeigt und möchte sich bei dem Projekt einklinken.

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