Gemeinden sollen Windkraft gemeinsam nutzen


23. November 2011
TV-Bericht von Ursula Quickert

Das Geld aus der Windkraft soll in der Region bleiben: Dieser Auffassung ist der Verbandsgemeinderat Wittlich-Land und will untersuchen, wie der Betrieb der Anlagen in Eigenregie organisiert werden kann. Zudem wünscht er sich, dass die Gemeinden Solidarpakte schließen.

Wittlich-Land. Wer sich die Karte anschaut, wo in der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land Windkraftanlagen entstehen könnten, der entdeckt nur wenige weiße Flecken. Die Kontrollzone des Flugplatzes Spangdahlem, die Schutzabstände zu Gemeinden sowie der Rohstoffabbau verhindern in großen Flächen der VG den Bau von Windrädern. Großflächiger erlaubt wäre er nach aktuellem Wissen zwischen Klausen und Platten, Osann-Monzel und Bergweiler sowie zwischen Gladbach und Sehlem und südlich von Heidweiler. Dabei sind allerdings Faktoren wie die Windhäufigkeit noch nicht einkalkuliert.
Damit Natur-, Landschafts- und Artenschutz, Fremdenverkehr, Erholung und Lärmschutz bei den Vorhaben berücksichtigt werden, hat sich der VG-Rat dazu entschlossen, den Flächennutzungsplan Windkraft fortzuschreiben - sich also näher mit den weißen Flecken auf der Karte zu befassen. Der Plan schreibt vor, wo Anlagen errichtet werden dürfen. Bislang gibt es in der VG keine einzige.
Die Mehrheit der Ratsmitglieder will nicht, dass kleine Standorte ausgewiesen werden, um nicht allzu sehr in die Landschaft einzugreifen. Stichwort Windpark. Lediglich die FWG sprach sich dafür aus, alle Flächen zuzulassen - auch die, wo nur ein oder zwei Anlagen gebaut werden könnten. "Vielleicht ist das die einzige Chance für eine Gemeinde, aus den Schulden herauszukommen", sagte Fraktionschef Ulrich Müller.
Ein Windpark würde zunächst bedeuten: Die Gemeinden, auf deren Gebiet die weißen Riesen stehen, erhalten die Pacht, und alle anderen gehen leer aus. Um das zu vermeiden, sollen die Gemeinden Solidarpakte eingehen und das Geld aufteilen. So wünscht es sich der VG-Rat. "Wir können den Gemeinden aber keine Vorgaben machen", betont Bürgermeister Christoph Holkenbrink. Wie eine gemeinsame Lösung aussehen könnte, müssten die Kommunen beraten.
Um ihnen möglichst großen Freiraum zu lassen, entschied sich der VG-Rat für die Formulierung, dass die Gemeinden Solidarpakte schließen sollten. Zuvor war nur von einem Solidarpakt die Rede. Die VG geht sogar noch einen Schritt weiter. In der jüngsten Ortsbürgermeister-Dienstbesprechung seien sich alle einig gewesen, "dass ausgelotet werden soll, ob es nicht Sinn macht, als kommunale Familie solche Anlagen zu betreiben", wie Holkenbrink sagt. Eine einfache Verpachtung der Standflächen sei nicht gewollt. Auch eine Kooperation mit dem Kreis Bernkastel-Wittlich und darüber hinaus sei denkbar. Zudem soll an Bürgerbeteiligungen gedacht werden.

Meinung
Der Wind weht von unten
So muss das sein. Der Verbandsgemeinderat Wittlich-Land gibt den Kommunen mit auf den Weg, dass er sich eine solidarische Lösung wünscht - betont aber, dass die Gemeinden das Sagen haben und sich untereinander einig werden müssen. Das ist Demokratie. Hier wird die Marschroute den Orten nicht von oben verordnet. Nur so kommen Lösungen zustande, mit denen sich die Mehrheit auch auf lange Sicht zufrieden geben kann. Und Solidarlösungen, wie auch immer sie konkret ausgestaltet werden, sind an dieser Stelle ein Muss. u.quickert@volksfreund.de

Extra
Das ist der Stand der Dinge in den Ortsgemeinden: Grundsätzliches Interesse an Windkraftanlagen haben bereits Alt rich, Arenrath, Bergweiler, Dierscheid, Dreis, Gladbach, Heidweiler, Hetzerath, Klausen, Niersbach, Osann-Monzel und Platten bekundet. In Altrich ist von einer Entwicklung einer gemeinsamen Windkraftfläche mit den Nachbarorten die Rede, ebenso in Klausen. Gladbach bringt konkret die ehemalige Kiesgrube Daniela, das Areal Hinterm Wald, ins Gespräch. Da Hetzerath davon ausgeht, dass auf seinem Areal keine Windräder gebaut werden können, befürwortet die Gemeinde die Konzentration der Anlagen sowie eine Solidarlösung. Niersbach würde gerne Standorte ausweisen, ist aber wegen der Nähe zum Flugplatz Spangdahlem eingeschränkt und will prüfen lassen, ob es einen Anspruch auf Entschädigung hat. Am weitesten vorangeschritten ist Osann-Monzel. Die Gemeinde hat eine Absichtserklärung der Firma Abo Wind gegenüber beschlossen. Diese will auf dem Höhenzug in Richtung Altrich bis zu sieben Windräder errichten (der TV berichtete). Platten, das ebenfalls in Sichtweite dazu liegt, ist grundsätzlich an der Untersuchung des Standortes interessiert. Allerdings sollen alle betroffenen Gemeinden in der Nachbarschaft einen Solidarpakt entwickeln. Zudem plant Minheim (VG Neumagen-Dhron) Windanlagen an der Grenze zu Klausen.

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