Der Pfarrer und das Monzelmännchen

Eine Geschichte aus Monzel

Nicht einmal vor geweihten Herren ist das berüchtigte Monzelmännchen zurückgeschreckt, wie uns die Sage berichtet.
Einmal befand sich der Pfarrer von Rivenich auf dem Heimweg.
Er kam aus Richtung Klüsserath und war in Begleitung von 2 Männern des Kirchenvorstandes, die ihm bei der Suche nach einer neuen Kirchenorgel mit ihrem Rat zur Seite gestanden hatten.
Als die 3 Männer am Monzelgraben entlang schritten, kam Knall und Fall ein riesengroßer Hund aus dem Gebüsch hervorgesprungen. Das schreckliche Tier postierte sich mit aufgerissenem Maul und blitzenden Augen vor den Männern.
Der Pfarrer, ein überaus kluger Mann, schöpfte gleich Verdacht, unter dem Hundefell verberge sich das Monzelmännchen. „Kerl“, rief er, „gib den Weg frei! Siehst du nicht, wir sind unserer drei?“ Bei diesen Worten wich der Hund beiseite und ließ die Männer vorbei. Der Pfarrer blickte dem schrecklichen Tier fest in die glühenden Augen und sagte: „Geselle, ich weiß wer in dir steckt. Komm heute Abend um elf Uhr ins Pfarrhaus!“ Pünktlich zur vereinbarten Stunde klopfte es an der Tür des Pfarrhauses.
Der Pfarrer ließ das Monzelmännchen in die Stube treten.
Es blickte voller Unruhe umher und sagte: „Wir sind nicht allein!“
Der Pfarrer öffnete rasch die Küchentür. Draußen stand tatsächlich die Köchin mit vorgestrecktem Hals. Der Pfarrer gebot ihr, augenblicklich zu verschwinden.
Anschließend führten der Pfarrer und das Monzelmännchen ein langes Gespräch.
Kein Mensch hat je darüber ein Sterbenswörtchen erfahren. Doch eines ist gewiss:
Seit dieser Nacht hat sich das Monzelmännchen nicht mehr blicken lassen, weder in Monzel, noch in Rivenich, noch anderswo.

Geschichte aus Sagen der Eifel: Ritter, Räuber, Heilige
Herausgeber: Landrat Dr. Helmut Gestrich, Wittlich
Archiv für Kultur und Geschichte des Landkreises Bernkastel-Wittlich (1991)


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