Dä "schwarze Pitschi"

Dä "schwarze Pitschi" - erschossen am 17.Juli 1802

Am 19. März 1772 ist Peter Zughetto als jüngster Sohn einer wohlhabenden Ürziger Familie geboren worden. Das unterschied ihn von dem Großteil der anderen bekannten Räuber seiner Zeit, die vorwiegend aus den unteren Bevölkerungsschichten kamen.
Dass er als Sohn aus gut bürgerlichem Hause trotzdem auf die schiefe Bahn geriet, hatte vor allem 2 Gründe:
Der Kinderreichtum seiner Eltern und die Zeitverhältnisse. Das Geschäft des Vaters bot nicht allen Kindern ein gesichertes Einkommen. Der letztgeborene Sohn fühlte sich offensichtlich benachteiligt und antwortete mit aufsässigem Verhalten und ist schon in jungen Jahren durch schlechtes Benehmen aufgefallen. Kaum herangewachsen, floh er aus der Enge des Heimatortes und versuchte sich als Landkrämer durchzuschlagen. Die Straße wurde zu seiner Heimat und dort begegnete er so manch zwielichtigem Volk, die die Regeln des bürgerlichen Alltags scheuten. Um diese Zeit brach in Frankreich die große Revolution aus, wehte den Geist der Aufsässigkeit auch in Deutsche Lande und weckte gerade in der jungen Generation eine unbändige Aufbruchsstimmung. Der Geist des “Sturm und Drang“, der schon vorher die einschnürende Enge der überlebten altväterlichen Welt des späten Absolutismus zu sprengen suchte, verband sich nunmehr mit den revolutionären Ideen „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“. Jedoch –rasch verlor sich der Idealismus der Revolution in den brutalen Niederungen des politischen Machtkampfes. In diesen Konflikt, zwischen zwei weltgeschichtlichen Epochen wurde wohl auch Peter Zughetto verstrickt. Den Geist der Revolution pervertierte er zum Ungeist schrankenloser Selbstverwirklichung. Im Umkreis ihrer kleinen Welt teilten sie die Menschen in gut und böse ein. Für gut erklärten sie den einfachen Landsmann, dem brüderliche Begegnung gebühre, für böse die Juden, denen keine Schonung zustehe. Diese sträflich simple Wertung, die dem Schinderhannes und seinen Kumpanen nachweislich Sympathien eintrug erlaubte es, Verbrechen als edle Tat hinzustellen.
Nach diesem Denkmuster suchte auch Peter Zughetto und sein engster Kumpan Johann Seibert sein Handeln zu rechtfertigen. Aus den anfänglichen „ Robin Hood“ des Hunsrücks, wurden nach und nach gemeine Verbrecher. Zu der geistigen Verwirrung dieser Zeit kamen die kriegerischen Wirren, in denen die alte Ordnung vollends zusammenbrach. Seit dem Herbst 1792 verunsicherten französische Truppen den Hunsrück, bis die Revolutionsarmeen im Oktober 1794 das ganz Rheinland besetzten. Rückeroberungsversuche der Preußen machten den Hunsrück zum Schauplatz erbitterter Kämpfe. Das Gesetz des Krieges herrschte bis 1797 und in dieser Zeit war es auch Peter Zughetto nicht möglich einem geregelten Gewerbe nachzugehen. Das Militär beherrschte die Straßen und scheute sich nicht einem Händler die Ware zu rauben auch nicht das Pferd aus der Deichsel zu spannen.
In einem Orts Namens Liebshausen suchten in dieser Zeit einige scheue Gesellen Unterschlupf wodurch dieser Ort als Wiege der Banden der Mosel und des Hunsrück bezeichnet wurde. Peter Zughetto schloss Freundschaft zu Philipp Ludwig Mosebach, einem missratenen Pfarrerssohn und Johann Seibert sowie Johann Jakob Krämer, der später als Iltis Jakob berüchtigt wurde.
Sie spezialisierten sich auf Pferdediebstahl und erpressten Schutzgelder von Juden auch schreckte man nicht vor Überfällen auf Gehöfte oder Mühlen zurück. Um 1800 zeigte sich die französische Regierung entschlossen, dem Räuberwesen ein Ende zu setzen und konnte etliche Räuber gefangen nehmen, unter ihnen auch Zughetto und Seibert, die in Koblenz inhaftiert wurden.
Von dort konnten beide am 24. November 1801 entfliehen und traten seither noch dreister denn je auf. Mit Hilfe der Bevölkerung und der Gendarmerie wurde Seibert gestellt und erschossen. Von da an wurde Peter Zughetto gejagt und über die Mosel bis in den Kondelwald vertrieben. Bei seinen Streifzügen am Abend des 17. Juli 1802 wurde er dann von Mathias Schander am Ortseingang von Osann erschossen. Nicht ganz dreißig Jahre alt, wurde er auf dem Friedhof in Osann beerdigt. (Sein Grabkreuz soll angeblich in einem Winzerkeller eingemauert, noch heute sichtbar sein.) Popularität wie sein ehemaliger Kumpan Schinderhannes (1803 hingerichtet zu Mainz) konnte der „schwarze Pitschi“ aber nicht erlangen, obwohl er dem Schinderhannes in nichts nachstand.

Mathias Schander, das sei zum Schluss vermerkt, wurde von seinen Zeitgenossen als Held gefeiert, zumal er aus dem Schusswechsel mit dem „schwarzen Pitschi“ eine Verletzung davontrug. In Anerkennung seiner mutigen Tat, hat ihm die französische Regierung eine Leibrente gewährt, die vom preußischen Staat bis zu seinem Tod 1831 weitergezahlt wurde.

Bericht im Landeshauptarchiv Koblenz 276 Nr. 1202 vom Juli 1802 (Auszug Kreisjahrbuch 1994)

Gedicht vom "Schwarze Pitschi"

~ mundart ~

Dä schwarze Pit – dä schwarze Pit,
dad wor en krommen Hund.
Äh triew et mätt däm Schinderhannes
äm Hunsreck gor ze bunt.

Se klauten Vieh - Se klauten Geld
äm Hunsreck,än da Äfel ,on da Musel.
Mord on Dudschlag wor net alles
Wer do om Läwen bliew had Dusel.

De Schinderhannes on de Iltis Jakob
die starben dorsch de Guillotine.
de schwarze Pitschi doch dafir
von Schander`s Schuss mätt düsterer Miene.

Än Usen hot man dann beerdischt,
De Menschhäd denkt mäd Kraus sereck.
Doch wer däm annern seine Habe well,
däm gebührt och haut nach nur de Streck.

von JFG


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